Wer ahnt schon, dass es schlecht fürs Klima ist, wenn er herumsitzt und Videos guckt oder sich über Messenger austauscht? Durch das Forschungsprojekt „Green Cloud-Computing“ von Umweltbundesamt wurde herausgefunden, wieviele Emissionen durch was entstehen und, dass Glasfaser und kabelgebundene Breitbandnetze deutlich umweltfreundlicher sind, als Mobilfunknetze. Die Unterschiede sind erheblich!

Bundesumweltministerin Svenja Schulze sagte in der Pressekonferenz am 10.9.2020: „Wird Streaming jetzt das neue Fliegen?“ Digitalisierung ist richtig und wichtig, aber es fehlten bisher jegliche Daten bezüglich der Umwelt- und Klimabilanz. Das ändert die Studie. Erstmalig gibt es verlässliche Zahlen. Eine Erkenntnis daraus ist: Der CO2-Ausstoß entsteht bei der Datenübertragung und nicht primär beim Speichern.  Ein Schritt zur Verbesserung ist, bestehende Ressourcen voll auszunutzen und Rechenzentren zu optimieren und effizienter zu gestalten.  „Wer mit dem Ferrari zum Bäcker um die Ecke fährt, verbraucht 10x mehr als notwendig. Ähnlich ist es, wenn Rechenzentren nicht ausgelastet sind. Das ist Energieverschwendung!“ sagte die Bundesumweltministerin sinngemäß.

Für den Präsidenten des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, ist klar: Digitalisierung an sich muss „grün“ werden! Klimaschutz gelingt zum Beispiel auch durch richtiges Streaming.“ Messner schreibt seit 1996 E-Mails, seitdem verändert die zunehmende Digitalisierung Schritt für Schritt alles: Mobilität. Wirtschaft. Leben. Bildung. Industrie. Aber: Rechenzentren verbrauchen stark unterschiedlich viel Energie. Der größte negative Umwelteffekt ist das mobile Videostreaming; die beste Art, solche Daten zu übertragen ist Glaskabel / Breitband.

Bundesumweltministerin Schulze sagte in einem Vorab-Interview dazu (kein O-Ton):


Rund 80 Prozent des Datenverkehrs in Telekommunikationsnetzen sind Videoinhalte.

Bei dem Forschungsprojekt wurden nur die Leistungen für Daten-Speicherung und -Übertragung berechnet, aber NICHT der Energieaufwand der Endgeräte wie Router, Mobilgeräte oder Fernseher. Daten, wie Videos z.B., werden in Rechenzentren, dort in Clouds übertragen und gespeichert. Wenn nun diese Videos, Bilder, Audios, Text-Dokumente und so weiter in der „Cloud“ gespeichert werden, entstehen je nach Rechenzentrum unterschiedlich hohe Emissionen. Mit Emissionen sind der Ausstoß, also die Aussendung von Teilchen, Stoffen, Schallwellen oder Strahlung in die Umwelt gemeint.


Bei der Studie herausgekommen ist auf jeden Fall:

Glasfaser ist die klimafreundlichste Übertragungstechnik. ► Der Netzzugang über kabelgebundene Breitbandnetze ist besser als die über Mobilfunknetze. ► Moderne Mobilfunknetze (5G) sind um einen Faktor von mehr als 20 effizienter und damit klimaschonender als alte Mobilfunknetze (3G).


Wer was für die Umwelt tun will, steigt am besten auf Kabel um!

Die Übertragung von Daten in Mobilfunknetzen haben einen deutlich größeren ökologischen Fußabdruck (um so größer, um so schlechter), als über kabelgebundene Breitbandnetze und Glasfaser. Flatrates oder großzügige Datenpakete für mobile Musik- und Videostreamings sind fürs Klima also echt nicht der Hit. Der Unterschied zwischen beiden Varianten beträgt 300 MByte statt 60 MByte pro Stunde und führt damit zu einem 5-mal höheren mobilem Datenvolumen.

Wie der Grafik unten zu entnehmen ist, ist die Übertragung von Daten über Glasfaser und Kupferkabel deutlich, deutlich weniger Klimaschädlich als alle mobilen Varianten!


Was du tun kannst?

Telefoniere und streame möglichst selten über Whatsapp und andere Messenger. Telefoniere lieber über Sprachanrufe bzw. WLAN; besser noch über Festnetz und Kabel bei dir Zuhause oder im Büro!


Nachhaltig ist das Alles nicht!

Wie hoch der Energieaufwand der Endgeräte wie Router, Mobilgeräte oder Fernseher ist, wurde beim „Green Cloud-Computing“-Projekt nicht untersucht. Auch nicht, was die Gewinnung von Rohstoffen und die Herstellung der Geräte in der Umwelt anrichtet. Dabei sind die Umweltschäden und Emissionen immens. Außerdem ist es laut der Studie so, dass G5 besser für die Umwelt ist, als G3 und G4, aber:

Was ist mit der Gesundheit von Mensch & Tier bei G5?

Auf Nachfrage der Redaktion bezüglich möglicher nachhaltiger Auswirkungen auf die Gesundheit, wurde klar: Gesundheitliche Auswirkungen durch Elektrosmog durch 5G-Strahlungen sind bisher nicht ausreichend statistisch erfasst oder genug wissenschaftlich untersucht. Aber das wird folgen und ist vor allem auch Aufgabe des Bundesamts für Strahlenschutz.

Weitere Frage war, ob jetzt im Umkehrschluss nicht ein Trendwechsel bei Bürgern erfolgen müsste? Das heißt weg vom Streamen übers Smarthone, hin zu kabelgebundenen PC´s? Ja, aber das Bewusstsein dafür sei bei den Menschen bereits tief verankert. Das Thema wird aber natürlich weiterhin stark kommuniziert werden. WLAN gilt in jedem Fall als zweitbeste Lösung, nach LAN-Anschlüssen, was die Grafik unten aufzeigt.


Wer sich für Details interessiert, kann sich die Infodatei vom„Green Cloud-Computing“-Projekt hier unterladen und/oder auf den Projektseiten von Schülern auf Media4Teens.de gucken, wie gut oder schlecht die Hardware von Smartphones für die Umwelt ist.

Schulklassen aus Schleswig-Holstein, die selbst ein Projekt dazu durchführen möchten, finden hier ein kostenloses Angebot. In anderen Bundesländern gibt es bestimmt ähnliche Angebote. Google doch mal, wenn möglich über (W)LAN!